Warum sind manche Teams erfolgreich und andere nicht?

Konfliktmanagement_Konflikte erkennen und lösen
Eine viel diskutierte Frage in den Führungsetagen wenn es z.B. um die Zusammensetzung von Projektteams geht. Entscheidend ist sicher ein gutes Gespür für die Teamzusammensetzung, sowie die Fähigkeit die Stärken der einzelnen Persönlichkeiten zu erkennen, zu fördern und zielgerichtet einzusetzen.

Um die Leistungsfähigkeit (Effizienz und Effektivität) eines Teams zu optimieren, heißt es das Team optimal aufeinander abzustimmen.

Auf Basis empirischer Studien hat Dr. R. Meredith Belbin (Cambridge) Führungskräfte bei der Zusammenarbeit im Team beobachte und aufgrund der unterschiedlichen Verhaltensweisen neun Teamrollen heraus kristallisiert. Er entwickelte eine Methode zur optimalen Team-Steuerung, die eine Basis gewünschte Vorhersehbarkeit von Team-Verhalten anbietet.

Persönlichkeiten im Team nach Dr. Berlin
Beschreibung  Teamrollen nach Dr. Meredith Belbin


Perfektionisten

 

Eigenschaften: Perfektionisten sind äußerst gewissenhaft und sind erst dann zufrieden, wenn alles geklärt ist. Sie besitzen die Fähigkeit Dinge bis zum Ende zu verfolgen und dabei bis ins Details zu denken. Dabei geht es ihm mehr um das Ergebnis als um die Methode. Sie erfüllen immer ihre selbst gesetzten Maßstäbe und arbeiten termingerecht. Sie werden von inneren Ängsten angetrieben, machen sich Sorgen über alles, was schief gehen könnte. Typische Perfektionisten sind  introvertiert und benötigen wenig Anschub oder Anregung von außen. Weder bei sich, noch bei anderen dulden sie Nachlässigkeit. Sie bevorzugen Aufgaben selbst in die Hand zu nehmen, statt zu delegieren.

Funktion: Perfektionisten sind dort unabkömmlich, wo Aufgaben ein hohes Maß an Genauigkeit und Konzentration verlangen. Sie sorgen für ein Gefühl der Dringlichkeit in allen Dingen innerhalb des Teams und halten Zeitpläne genau ein. Im Management heben sie sich durch ihre hohen selbst gesetzten Standards und durch ihr Bemühen um Präzision, Detailgenauigkeit und Weiterverfolgung hervor.

Umsetzer


Eigenschaften
: Umsetzer haben einen Sinn fürs Praktische und besitzen ein hohes Maß an Selbstkontrolle, Disziplin und organisatorischen Fähigkeiten. Sie bevorzugen es hart zu arbeiten und handhaben Probleme in einer eher systematischen Weise. Im Allgemeinen ist ein Umsetzer eine Person, deren Loyalität und Interesse der Firma gilt und die sich weniger mit persönlichen Zielen beschäftigt. Umsetzer sorgen für Ordnung, können gut Pläne, Budgets und Diagramme erstellen. Sie lieben weniger die plötzlichen Veränderungen, neigen zur unflexiblen Verhalten und lehnen Ideen – die sie für unwichtig betrachten – ab.

Funktion: Umsetzer sind aufgrund ihrer Verlässlichkeit und ihrem Vermögen etwas  ·zu tun“ hilfreich für eine Organisation. Sie sind durch ihrer Effektivität und ihren Sinn für das Wichtige und Notwendige erfolgreich. Man sagt, dass Führungskräfte nur die Arbeit machen, die sie machen wollen und Aufgaben ablehnen, die ihnen nicht gefallen. Im Gegensatz dazu wird ein Umsetzer immer tun was getan werden muss. Gute Umsetzer steigen oft in höhere Managementpositionen auf, aufgrund ihrer organisatorischen Fähigkeiten und ihrem Vermögen, notwendige Aufgaben auch durchzuführen.

 

Beobachter

Eigenschaften: Beobachter sind besonnene, introvertierte klar denkende Persönlichkeiten. Die Stärke liegt in der klaren und objektiven Analyse der Ideen, jedoch nicht in der Ideen-Findung. Sie sind langsamer in ihren Entscheidungen, überdenken alles erst einmal und haben normalerweise einen sehr kritischen Verstand. Sie haben die Fähigkeit zu einem umfassenden Urteil, das alle Faktoren in Betracht zieht. Sie sind es meistens, die das Team vor schwerwiegenden Fehlern bewahren. Sie halten sich mit den Aussagen solange zurück, bis sie alles genauestens analysiert haben und eine umfangreiche Einschätzung vorlegen können. Sie zeigen wenige Emotionen und sehr nur schwer zu begeistern und zu motivieren.

Funktion: Beobachter sind dort am nützlichsten, wo Probleme zu analysieren und Ideen oder Vorschläge zu entwickeln sind. Sie sind sehr gut darin, verschieden Möglichkeiten nach ihrem Pro und Kontra abzuwägen. Für Außenstehende erscheint der Beobachter trocken, langweilig und überkritisch. Viele finden es überraschend, so jemanden im Management zu finden. Trotzdem besetzen Beobachter oft strategisch wichtige Positionen und beeinflussen hochrangige Entscheidungen. In einigen Jobs hängt Erfolg oder Misserfolg von einer sehr kleinen Anzahl wegweisender Entscheidungen ab. Dort ist das ideale Gebiet für einen Beobachter, weil derjenige, der niemals falsch liegt, am Ende das Spiel gewinnt.

 

Spezialisten

Eigenschaften: Spezialisten widmen sich besonderen Gebieten und interessieren sich nur für ihr Fachgebiet, indem sie mit Enthusiasmus und großer Professionalität arbeiten.  Ihre primären Ziele sehen sie darin, hohe Standards durchzusetzen und ihr eigenes Spezialgebiet zu fördern und zu verteidigen. Während sie sehr großen Stolz in ihren eigenen Belangen zeigen, fehlt es ihnen oft an jeglichem Interesse für die Belange Anderer. Jedoch sind sie in der Lage, vor dem Hintergrund ihrer Kenntnisse und reichen Erfahrungen die richtigen Entscheidungen zu treffen und ihre Entscheidungen zu vertreten. Nur wenige Menschen haben die Zielstrebigkeit oder die Begabung, ein erstklassiger Spezialist zu werden. Sie haben keinen Blick für größere Zusammenhänge. Sie mögen ungern für Menschen arbeiten, die auf dem Spezialgebiet weniger wissen als er selbst.

Funktion: Spezialisten haben eine unersetzliche Rolle in manchen Teams, da sie die speziellen Fähigkeiten mitbringen, auf denen die Dienstleistung oder das Produkt einer Firma aufbauen. Als Manager bieten sie ihren Mitarbeitern Unterstützung, da sie oft mehr über das Thema wissen als jeder andere. Sie können deshalb oft hinzugezogen werden, um Entscheidungen aus tiefergehendem Wissen zu treffen.

 

Koordinatoren

Eigenschaften: Sie sind disziplinierte, kontrollierte und selbstsichere Akteure. Die unsichtbare Fähigkeit des Koordinators ist es, andere dazu zu bewegen, auf ein Ziel hin zu arbeiten. Ruhig und entspannt werden sie von allen respektiert. Reif, selbstsicher und vertrauensvoll wie sie sind, behalten sie das Team zusammen, verteilen die Aufgaben und verlieren das Ziel nicht aus dem Auge. Innerhalb eines Teams erkennen sie schnell die jeweiligen individuellen Talente und setzen die Teammitglieder entsprechend ihren Fähigkeiten für das gemeinsame Ziel ein. Koordinatoren sind erfahrene und reife Persönlichkeiten, die nicht unbedingt kreativer oder intelligenter sind als die Mitarbeiter im Team. Sie haben ein weltmännisches Auftreten und andere bringen ihnen im allgemeinen Achtung entgegen.

Funktion: Koordinatoren werden am besten dort eingesetzt, wo sie Verantwortung für ein Team aus Leuten mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Persönlichkeiten übernehmen. Sie arbeiten besser, wenn sie mit Kollegen von gleichem oder ähnlichem Rang zu tun haben, als wenn sie Untergebene führen müssen. Ihr Motto könnte lauten ·konsultieren mit Kontrolle“. Sie gehen Probleme ruhig an. In manchen Firmen geraten Koordinatoren gewaltig mit Machern aneinander, wegen ihrer unterschiedlichen Führungsstile.

 

Teamarbeiter

Eigenschaften: Teamarbeiter sind hilfsbereite, sensible und sozial denkende Menschen, die große Unterstützungen für ihr Team sind. Sie sind sanft, umgänglich und besorgt um andere. Sie sind sehr flexibel und anpassungsfähig in Bezug auf verschiedene Situationen und Menschen. Teamarbeiter sind einfühlsam und diplomatisch. Sie sind gute Zuhörer und im Allgemeinen beliebte Mitglieder des Teams. Die Anwesenheit eines Teamarbeiters erleichtert das menschliche Miteinander im Team. Sie erkennen Reibungspunkte zwischen einzelnen Persönlichkeiten und gleichen sie aus. Besonders in Stress- und Krisensituationen sind sie für die Stimmung im Team wichtig.

Funktion: Die Rolle des Teamarbeiters ist es, zwischenmenschlichen Problemen, die in einem Team auftreten, vorzubeugen und es so allen Teammitgliedern zu erlauben, ihre Beiträge zu leisten. Nicht so erfreut über Reibereien, wird er alles tun sie zu vermeiden. Es ist nicht ungewöhnlich, das Teamarbeiter höhere Führungskräfte werden, besonders wenn das mittlere Management von Machern dominiert wird. Dort sind die diplomatischen und einfühlsamen Fähigkeiten des Teamarbeiters sehr viel wert sind, da Konflikte, die in solchen Managementkonstellationen häufig auftreten, dadurch entschärft werden können. Teamarbeiter als Manager werden von keinem als Bedrohung angesehen und werden daher oft als Vorgesetzte favorisiert und akzeptiert. Teamarbeiter fördern den Teamgeist und steigern die Moral des Teams. Wenn Teamarbeiter vorhanden sind kooperieren die Mitarbeiter besser miteinander.

 

Weichensteller

Eigenschaften: Weichensteller sind oft enthusiastische, quirlige und extrovertierte Persönlichkeiten. Es fällt ihnen leicht  mit Leuten sowohl innerhalb als auch außerhalb der Firma zu kommunizieren. Sie haben ein ausgezeichnetes Verhandlungsgeschick und sind dafür prädestiniert neue Möglichkeiten auszuloten und Kontakte zu entwickeln. Der Weichensteller entwickelt eher selten eigene Ideen, sondern greift er sehr effektiv Ideen Anderer auf und entwickelt sie weiter. Wie der Name nahelegt, liegen ihre Fähigkeiten darin herauszufinden, was an Ressourcen vorhanden ist und wie diese eingesetzt werden können. Ihr offenes Wesen bewirkt, dass sie von anderen normalerweise sehr herzlich aufgenommen werden. Weichensteller haben eine ausgeglichene Persönlichkeit mit einer ausgeprägten Neugierde und der Bereitschaft, die Möglichkeiten in allem Neuen zu sehen. Trotzdem kann ihr Enthusiasmus schnell nachlassen, wenn sie nicht von anderen bestätigt werden.

Funktion: Weichensteller erforschen neue Entwicklungen, Ideen und Materialien und bringen diese von außerhalb in die Gruppe. Sie sind die Besten, um externe Kontakte zu knüpfen und alle daraus resultierenden Verhandlungen weiterzuführen. Sie stehen mit beiden Füßen fest auf dem Boden und vermögen es Anderen Informationen zu entlocken.

 

Macher

 

Eigenschaften: Macher sind hochmotivierte Menschen, lieben die Herausforderung und sind sehr erfolgsorientiert.  Sie wollen Ergebnisse sehen und treiben mit viel unruhiger Energie andere an um etwas zu erreichen. Sie sehen das Team als Ausführungsorgan und sehen die Hauptaufgabe darin, die Arbeit des Teams voran-zutreiben.  Macher fordern gerne Andere heraus, mit dem Ansporn selbst zu gewinnen. Wenn Hindernisse auftreten finden sie einen Ausweg. Halsstarrig und anmaßend tendieren sie dazu, sehr emotional auf Enttäuschungen und Frustrationen zu reagieren. Macher sind sehr eigensinnig und argumentativ. Macher achten auf wichtige Punkte im Gespräch und versuchen Ideen auf den Punkt zu bringen. Dabei scheuen sie weder Konfrontation noch unangenehme Entscheidungen. Es fehlt ihnen an zwischenmenschlichem Verständnis. Sie nennen die kämpferischste Teamrolle ihr Eigen. Sie wirken selbstbewusst, brauchen aber ihre Erfolgsergebnisse um nicht von Selbstzweifeln geplagt zu werden.

Funktion: Macher sind im Allgemeinen gute Manager, weil sie etwas bewegen und mit Druck vorantreiben können. Sie bringen Leben in ein Team und sind dort von Nöten, wo Firmenpolitik beginnt Dinge zu verkomplizieren oder auszubremsen. Macher neigen dazu, sich über solche Probleme hinwegzusetzen und rücksichtslos weiterzumachen. Sie sind vertraut damit, notwendige Veränderungen umzusetzen und unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Sie versuchen Diskussionen oder Aktivitäten eine bestimmte Struktur oder einen Rahmen aufzudrücken. Sie sind wahrscheinlich die effektivsten Teammitglieder im Bezug darauf, sinnvoll positives Handeln zu garantieren.

 

 

Denker / Erfinder

Eigenschaften: Erfinder sind Innovatoren und können höchst kreativ sein. Sie sähen die Ideen, aus denen dann wichtige Entwicklungen heranwachsen. Normalerweise bevorzugen sie es, für sich allein zu arbeiten, etwas distanziert vom Rest des Teams, um ihre Vorstellungskraft und oft unorthodoxen Arbeitsmethoden voll nutzen zu können. Sie sind häufig introvertiert und reagieren sehr stark auf jede Form von Kritik. Ihre Ideen sind oft radikal und fern ab von jeder Praxis. Sie sind unabhängig, schlau und einfallsreich, allerdings auch schwach im Kommunizieren mit Menschen anderer Wellenlänge. Sie verlieren schnell Interesse an der Umsetzung und widmen sich lieber globalen Zusammenhängen. Ignorieren praktische Details und Vorschriften, wodurch ihnen leicht Fehler unterlaufen. Sie reagieren äußerst sensibel auf Lob und Kritik. Verhalten sich den Ideen anderer gegenüber nicht selten herablassend.

Funktion: Die Hauptfunktion des Erfinders ist es, neue Entwürfe zu machen und komplexe Probleme zu lösen. Sie werden oft am Anfang eines Projekts benötigt, wenn es noch nicht so recht voran geht. Oft haben sie die Firma gegründet oder sind zu mindestens der ·Vater des Produkts“. Zu viele Erfinder in einer Organisation können jedoch kontra-produktiv sein, da die Gefahr besteht, dass sie zu sehr auf ihren eigenen Ideen bestehen und sich gegenseitig in Streitigkeiten verwickeln.

 

Buch-Empfehlungen
Teamrollen nach Belbin (Foto amazone.de)
The Management of Teams: Why They Succeed or Fail

Ansätze für Teamentwicklung (Foto amazon.de)
Handbuch: Alles über Gruppen: Theorie, Anwendung, Praxis

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